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5 FRAGEN AN RENE FLECKENSTEIN

ZUR PERSON

Rene Fleckenstein ist Geschäftsführer des Nordic-Center Notschrei im Schwarzwald und verantwortet dort die Zusammenarbeit mit rund 7.000 persönlichen Mitgliedern, über 30 Vereinen sowie 17 Kommunen. Das Nordic-Center ist zugleich Bundesstützpunkt des Deutschen Skiverbandes (DSV) für Ski Nordisch, Biathlon und den Para-Sport. Als Absolvent des Masterstudiengangs Sporttourismus und Destinationsmanagement an der Deutschen Sporthochschule Köln verbindet er sportfachliche Expertise mit strategischem Wissen und leitet das Organisationskomitee der Para-Biathlon-Weltcup Veranstaltungen der Internationalen Biathlon-Union (IBU).

VERANSTALTUNG UND NACHHALTIGKEIT

Der IBU Para-Biathlon-Weltcup am Notschrei ist als zweite Station eines dreiteiligen Weltcup-Zyklus ein internationales Aushängeschild für inklusiven Spitzensport. Über acht Tage begrüßen wir rund 100 Athlet:innen aus 19 Nationen sowie 100 Betreuende, getragen von mehr als 2.000 ehrenamtlichen Helferstunden.

Ein standortgebundenes Organisationskomitee aus lokalen Vereinen trägt die Veranstaltung. Entscheidend sind die Menschen: Wir begeistern sie für Parasport und Nachhaltigkeit und befähigen sie, Verantwortung zu übernehmen. So sichern wir Know-how, Qualität und regionale Wertschöpfung durch die Einbindung lokaler Unternehmen, Dienstleister und Partnerbetriebe.

Der Veranstaltungsort liegt in einem Vogelschutzgebiet und ist zugleich inklusiver Trainings- und Wettkampfort. Entsprechend gestalten wir Abläufe naturverträglich, setzen auf regionale Lieferketten und stärken Vereine sowie standorteigene Betriebe.

Unser Anspruch: Parasport-Events mit internationaler Strahlkraft, die ökologische Verantwortung, soziale Teilhabe und regionale Entwicklung verbinden – und den Standort Notschrei als Modell für zukunftsfähige Veranstaltungen positionieren.

FRAGEN & ANTWORTEN

Welche ersten Schritte empfehlen Sie Veranstaltern, die gerade erst ins Thema Nachhaltigkeit einsteigen?

Nachhaltigkeit verstehen wir vor allem als Zukunftsfähigkeit – als Haltung, die Verantwortung für Natur und Menschen übernimmt. Für Veranstalter:innen, die neu einsteigen, empfehle ich, das Thema Schritt für Schritt zu verankern.

Im Kern geht es bei uns um fünf Leitfragen: Was wird intern und extern erwartet? Welche Risiken gilt es zu minimieren? Welche Nachhaltigkeitsziele wollen wir in welchen Handlungsfeldern erreichen? Welchen Mehrwert schafft das? Und wie lassen sich Maßnahmen dauerhaft sichern und finanzieren?

Daraus ergeben sich ganz konkrete Schritte: Wie kann eine Veranstaltung so gestaltet werden, dass sie über den Veranstaltungstag hinaus Wirkung entfaltet – etwa durch freiwilliges Engagement oder Naturschutzmaßnahmen? Lohnt sich der Einsatz mehrfach verwendbarer Materialien oder die Zusammenarbeit mit anderen Events? Können mit Partnern und Lieferanten langfristige Kooperationen entstehen statt kurzfristiger Einzellösungen?

Mein wichtigster Rat: Nicht perfekt starten wollen, sondern anfangen. Mit klaren Zielen, umsetzbaren Maßnahmen und der Bereitschaft zu lernen wird Nachhaltigkeit Schritt für Schritt Teil der eigenen Veranstaltungs-DNA – mit echtem Mehrwert für alle Beteiligten.

Welche Maßnahmen haben sich bei den Para-Biathlon-Weltcups als besonders wirksam erwiesen, um nachhaltiger zu werden – und warum?

Parasport-Veranstaltungen sind weit mehr als sportliche Wettkämpfe – sie sind kraftvolle gesellschaftliche Impulsgeber. Gerade die Para-Biathlon-Weltcups zeigen eindrucksvoll, wie Sport Menschen unabhängig von Herkunft oder Beeinträchtigung verbindet und echte Teilhabe erlebbar macht. Diese besondere Qualität bildet die Basis unserer Nachhaltigkeitsarbeit.

Als besonders wirksam hat sich die enge Zusammenarbeit im Organisationskomitee mit den lokalen Vereinen und Skiclubs erwiesen. Durch den hohen Betreuungsschlüssel und die intensive, vertrauensvolle Kooperation – auch in unserer Rolle als Betreiber des Bundesstützpunktes – entstehen starke Netzwerke vor Ort. Gemeinsam entwickeln wir den Standort weiter, bündeln Kompetenzen und treten geschlossen nach außen auf.

Davon profitieren alle: Die Vereine partizipieren von verbesserter Infrastruktur, bringen sich aktiv in die Gestaltung der Weltcups ein und werden sichtbarer Teil eines internationalen Events. Das stärkt Identifikation, Engagement und regionale Wertschöpfung gleichermaßen. So werden die Para-Biathlon-Weltcups zu einem nachhaltigen Gemeinschaftsprojekt – mit Strahlkraft weit über den Sport hinaus und einem klaren Signal für Inklusion, Verantwortung und Zukunftsfähigkeit.

Welche Hürden sind Ihnen bei der nachhaltigen Umsetzung begegnet und wie haben Sie diese überwunden?

Die größte Hürde bei der nachhaltigen Umsetzung unserer Veranstaltungen ist die zunehmende Wetterunsicherheit – besonders im Mittelgebirge. Schneesicherheit, Streckenverfügbarkeit und situative Sicherheit sind im Parasport zentrale Voraussetzungen für sportliche Qualität und wirtschaftliche Tragfähigkeit.

Überwunden haben wir das durch aktive Klimaanpassung: Mit der Übersommerung von Schnee sichern wir frühzeitig verlässliche Wettkampfbedingungen und reduzieren die Abhängigkeit von kurzfristigen Wetterextremen. Die Kombination aus Naturschnee und gezielter technischer Beschneiung macht die Events planbar.

Ergänzend setzen wir auf energieeffiziente Infrastruktur mit regenerativem Strom, elektrisch oder mit HVO betriebene Loipengeräte sowie eine naturverträgliche Streckenführung. So minimieren wir ökologische und finanzielle Risiken zugleich – und schaffen stabile Rahmenbedingungen für nachhaltige Parasport-Veranstaltungen.

Wintersport per se ist in Mittelgebirgen immer mit gewissen Risiken behaftet. Vor allem die Vorhaltung von Schnee und entsprechenden Strecken zum Saisonbeginn ist immer eine Herausforderung – unabhängig von solch einer Veranstaltung. Die Vorhaltung von Schnee über den Sommer ermöglicht es uns, unabhängiger zu sein von Wetter und Temperatur. Zudem spart es enorm Kosten im Vergleich zur technischen Beschneiung wenn – wie bei uns am Standort – auch natürlich gefallener Schnee eingelagert wird.

Welche Vision oder Idee wollen Sie zukünftig umsetzen, um Veranstaltungen noch nachhaltiger zu gestalten?

Unsere Vision ist es, Nachhaltigkeit konsequent vom Projekt zur Struktur weiterzuentwickeln – mit konkretem Handeln in immer mehr Bereichen und ohne Rückschritte. Wir wollen den Standort Notschrei als lernendes Reallabor für nachhaltige Parasport-Veranstaltungen etablieren.

Ein zentraler Baustein ist der Aufbau eines festen Stamms an Helfer:innen und Organisationskomitee-Mitarbeitenden. So bleibt Wissen am Standort, Erfahrungen werden weitergegeben und Prozesse kontinuierlich verbessert. Transparenz und ein ehrlicher Umgang mit Herausforderungen und Risiken sind dabei für uns Innovationstreiber.

Gleichzeitig setzen wir auf neue Formen der Zusammenarbeit: Ehrenamt, Freiwillige, Bundesstützpunkt und Betreiber realisieren Projekte gemeinsam. Das verteilt Verantwortung auf viele Schultern, stärkt die Gemeinschaft und schafft Raum für mutige, zukunftsorientierte Lösungen. Unser Ziel: Veranstaltungen, die nicht nur klimafit sind, sondern als Vorbild für nachhaltigen Parasport wirken.

Wie unterstützt Sie das Webportal insgesamt in Ihrer Arbeit an nachhaltigeren Sportveranstaltungen und welchen besonderen Mehrwert bietet es Ihnen dabei?

Über den eigenen Horizont hinauszuschauen und Ideen aufzugreifen und an das eigene Projekt zu adaptieren hilft sehr. Über das Portal bekomme ich genau das: Informationen und Tipps anderer Veranstalter. Ideen und Kontakte für eine nachhaltigere Zukunft. Wir werden mit dem Portal von Jahr zu Jahr besser. Nächste Woche ist schon der Alpencup bei uns – die nächste Veranstaltung.

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